Der kleine Astronaut
Lesung
Die Kinder erhalten neben der Lesung einen Einblick in die Textproduktion und können Fragen stellen. Dabei geht es auch darum, wie die Kinder selbst Texte schreiben oder Geschichten erzählen können.

Zielgruppe 

2. - 4. Klasse

Dauer

 45-90 Minuten

Inhalt


Der kleine Astronaut will so gerne einmal das Meer sehen. Auf seinem Planeten gibt es nämlich keins. Also springt er gemeinsam mit Sigur, seinem Kater, ins Raumschiff und fliegt zur Erde.

Hier ist alles komisch! Die Menschen laufen ohne Raumanzug durch die Gegend, sie essen statt Pillen alle möglichen Dinge, und sie nehmen sich sogar in den Arm! Ohne Paula, die ihm die Erde erklärt, wäre der kleine Astronaut völlig verloren. Aber Paula hilft ihm, und sie zeigt ihm den schönsten Ort der Welt: das Meer!




 
Bio
 

ISBN: 978-3-7941-6099-0

Preis: 9,90  Verlag: Sauerländer

»Manfred Theisen macht Mut auf die Dinge, die uns unsere Eltern schon immer verboten haben.«
Kölnische Rundschau
Leseprobe
                                     1.
                          Der kleine Astronaut will 
                              das Meer sehen

 Wenn du in der Nacht durch das Fernrohr in die Zukunft guckst und es noch ein bisschen weiter ausziehst, siehst du auf einem Planeten einen 
Astronaut. Er ist kein normaler Astronaut, denn er ist sehr klein. Aber da oben erscheint dir alles ganz klein, es ist ja auch weit weg. Stellst du das Fernrohr scharf, so kannst du sein junges Gesicht erkennen. Wie wach seine Augen sind. Er trägt einen Helm und sein Raumanzug ist ohne einen einzigen Kratzer. Neben ihm steht sein Raumschiff und zu seinen Füßen sitzt sein treuer Kater Sigur. Jeder keine Astronaut dort oben erhält bei seiner Geburt neben den Eltern eine Weltraumkatze. 
Solche Katzen wissen viel. Manchmal ahnen sie noch etwas über die Zeit, als ihre Vorfahren mit den Menschen auf dem schönen blauen Planeten lebten, den sie Mutter Erde nannten. Sigurs Fell ist kurz und hell und hat braune Flecken, doch sein Raumanzug ist lila wie der des Astronauten. Er ist ein vorsichtiger Kater und klug. Sogar klüger als die Eltern des kleinen Astronauten, die gleich auf dem Nachbarplaneten leben. Sigur hat kleine Flügel und ist doch so etwas wie ein Schutzengel für den Astronauten. Der Kater weiß, wie schön und wichtig all das ist, was man hat, und wie dumm es ist, noch mehr haben zu wollen. Für ihn gibt s deshalb nichts Schöneres, als auf seiner flauschigen Decke in der gemütlichen Raumstation zu liegen, und er hasst nichts mehr als Unordnung. 
Wie jeden Morgen kreiste der kleine Astronaut auch an diesem sonnigen Morgen vor dreiunddreißig Tagen in seinem Raumschiff dreimal um seine Station mit der Flagge. Auf der Fahne ist sein Planet zu sehen: rund und von einer Schale umgeben, die aussieht wie die einer Apfelsine. Es ist ein hübscher Planet und er heißt XF3. Und wenn der Astronaut auf und ab hüpft auf XF3, so federt er leicht, als würde er auf dem Rücken eines Wales tanzen. Man kann auf der Fahne sogar die kleine Station erkennen, vor der der kleine Astronaut mit dem Raumschiff gerade landet, als unsere Geschichte beginnt. Wie gesagt, das ist jetzt schon dreiunddreißig Tage her.
Die beiden saßen in der Station und der kleine Astronaut langweilte sich wieder mal schrecklich.
Denn es passierte einfach nichts Abenteuerliches auf seinem Planeten, ein Tag war wie der andere. Er aß lustlos sein Frühstück, das aus drei Pillen bestand. Da sagte der kleine Astronaut plötzlich zu seinem Kater: „ Ich habe es satt, morgens und abends und morgens und abends meine Kreise um die Station zu ziehen. Ich will etwas erleben und nicht nur auf der Schale unseres Planeten herumhüpfen. Ich will in den Weltraum und die fremden Welten entdecken, die ich von hier aus
nicht sehen kann.“
„Das solltest du nicht sagen. Im Weltraum ist es gefährlich. Denk nur an die Schwarzen Löcher, die alles fressen, was ihnen zu nahe kommt.“
„Pah, ich habe keine Angst vor ihnen. Die Schwarzen Löcher kann man ja nicht einmal sehen. Sie sind feige. Mich werden sie nicht zu fassen kriegen.“
Sigur schlug die Pfote über dem Kopf zusammen.
„Das macht sie doch gerade so gefährlich. Du erkennst sie erst, wenn es zu spät ist. Die Schwarzen Löcher haben schon so viele Sonnen gefressen, da werden sie sicher noch spielend einen Astronauten verdauen. Die sind wie riesige unsichtbare Strudel im Meer, die dich in die Tiefe ziehen.“
„Was für ein Meer?“ Der kleine Astronaut wusste nicht, was ein Meer war, denn auf seinem Planeten gab es keins. 
„Du musst nicht wissen, was ein Meer ist. Es würde dir ohnehin nicht schmecken, es ist viel zu salzig.“ 
„Ich will es aber wissen.“
„Vielleicht lernst du es ja kennen, wenn die Zeit gekommen ist.“
Der Astronaut schaute auf sein Essen. Die drei Pillen glänzten wie polierte Murmeln auf dem Tisch: eine grüne fürs Wachstum, eine braune fürs Sattwerden und eine hellblaue Schulpille. Mit dieser gelangten all die Schulfächer, ob Mathematik oder Sternenkunde, Biologie oder Astronautensprache, schwuppdiwupp und ohne Nebenwirkungen von der Hand durch den Mund in den Verstand ...